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Das schwere Leben der Frauen auf Vanuatu

11. 02. 2021

Weltgebetstag 2021Ni-Vanuatu-Frauen aus verschiedenen christlichen Konfessionen haben für den Weltgebetstag Informationen zusammengestellt, in der nicht nur die Schönheit ihrer Inseln, sondern auch die Herausforderungen des Lebens besonders für junge Frauen vorgestellt werden. Laut Happy Planet Index gilt Vanuatu als eines der glücklichsten Länder der Welt.

Frauen haben dort jedoch ein hartes Los. Ihr Tag auf Vanuatu ist lang: Sie sind verantwortlich dafür, dass Essen auf dem Tisch steht, für die Betreuung der Kinder, der Alten, Personen mit Behinderung und auch dafür, dass Geld ins Haus kommt. Traditionell wird auf offenen Feuerstellen vor der Hütte gekocht. Durch das regelmäßige Anfeuern erkranken viele Frauen an Asthma. Fragt man nach den Männern, heißt es oft, sie seien im Nakamal, dem zentralen Treffpunkt der Männer, wo sie reden und Kava trinken.

Vanuatu hat die höchste Quote an Gewalt gegen Frauen im pazifischen Raum. Leider ist dabei nicht nur die Häufigkeit der Übergriffe sehr hoch, sondern auch das Ausmaß der Gewalt. Auch die Zahlen beim Kindesmissbrauch sind erschreckend hoch. Wie passt das mit den hohen Bewertungen beim Happy Planet Index zusammen?

Gewalt in der Familie gilt als privates Problem, das nicht nach außen getragen wird. Laut der bisher einzigen Studie des Vanuatu Women's Centres aus dem Jahr 2011, an der über 2.300 Frauen teilnahmen, sind 60 Prozent der Frauen auf Vanuatu von Gewalt durch ihren Ehemann, Partner oder einen anderen Familienangehörigen betroffen. 21 Prozent tragen bleibende Verletzungen davon.

Erschreckend ist, wie viele Ni-Vanuatu-Frauen Aussagen zustimmen, die die Rechte von Frauen ernsthaft untergraben,wie: dass eine gute Frau ihrem Ehemann gehorchen muss, auch wenn sie ihm nicht zustimmt, dass sie sein Eigentum wird, nachdem der Brautpreis bezahlt wurde, dass es für eine Frau oder ein Mädchen in Ordnung ist, für eine Zweck-Ehe im Rahmen von diplomatischen Beziehungen zwischen Stämmen/Dörfern eingetauscht zu werden.

Die Akzeptanz der Frauen gegenüber häuslicher Gewalt ist erschreckend; mehr als jede dritte Frau glaubt, dass Gewalt gerechtfertigt ist, wenn eine Frau ungehorsam ihrem Ehemann gegenüber ist und fast jede Dritte glaubt, dass ein Mann berechtigt sei, seine Frau zu schlagen, wenn ein Brautpreis bezahlt wurde. Es ist noch eine gängige Praxis, dass für eine Frau ein Brautpreis bezahlt wird.

Ungerechte Machtverteilung ist ein strukturelles Problem in Vanuatu. Es gilt eine strikte Männerwirtschaft. Jedes Dorf hat seinen Chief. Im Nakamal, der zentralen Holzhütte, treffen die Männer die Entscheidungen, nur sie haben Zutritt. Auf nationaler Ebene ist es nicht anders: Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1980 wurden fünf Frauen ins Parlament gewählt. Aktuell sitzen im Parlament dreißig Abgeordnete, darunter keine einzige Frau. Die Verfassung enthält zwar Bestimmungen zur Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung, jedoch fehlt der politische Wille, diese auch umzusetzen.

Vanuatus traditionelle matrilineare Systeme verschwanden durch die Missionierung, die patriarchalische, patrilineare Systeme förderte. Derzeit haben Frauen kaum Zugang zu Land, da sie im Erbsystem nicht berücksichtigt werden. Sie sind es jedoch, die die Äcker und Gärten bewirtschaften. So sind sie es auch, die vor allem unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die Möglichkeit für Frauen Unternehmen zu gründen sind begrenzt, da sie keinen Zugang zu Kapital und Finanzdienstleistungen haben.

Trotzdem haben Frauen einen Weg in das Wirtschaftsleben gefunden; viele verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Kleidung, Gemüse und Obst auf dem Markt. Das Patriarchat beginnt zu bröckeln. Als Gegengewicht zu den Dorftreffen, an denen nur Männer teilnehmen dürfen, haben sich Frauenkreise gebildet, um sich gegenseitig zu unterstützen. Frauen helfen sich gegenseitig.

 

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