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Int. Frauentag - Fairer Handel stärkt vor allem Frauen

23. 02. 2021

Siebzig Prozent der unbezahlten Arbeit weltweit liegt in Frauenhänden: Sie organisieren den Familienhaushalt, ziehen die Kinder auf und pflegen Angehörige. Gleichzeitig beziehen Frauen weltweit aber nur zehn Prozent der Einkommen. Und nur ein Prozent des globalen Vermögens gehört Frauen. In Entwicklungsländern produzieren Frauen 80 Prozent der Grundnahrungsmittel, sie besitzen aber nur zehn Prozent der Anbauflächen.

 

Weniger Verdienst, weniger Einfluss, weniger Zugang zu Bildung oder Krediten: weltweit werden Frauen in so gut wie allen Bereichen des Lebens benachteiligt. Obwohl Frauen durch ihre Arbeit weltweit nachhaltige Entwicklung gestalten, ist es noch ein weiter Weg bis Geschlechtergerechtigkeit überall verankert ist. Während Frauen ihr verdientes Geld etwa zu 90 Prozent für die Ernährung der Familie und die Ausbildung der Kinder verwenden, sind es bei den Männern im Schnitt nur 30 Prozent.

 

Fair einkaufen heißt Frauen weltweit unterstützen.

 

Der faire Handel ermöglicht Frauen im globalen Süden einen Ausweg aus einer Situation, die sie auf bloße reproduktive Tätigkeiten reduziert und von Bildung und wirtschaftlicher Verantwortung fernhält. Es wird ein fairer Preis bezahlt, der Grundlage für ein würdevolles Leben ist. Außerdem garantiert der Faire Handel den Menschen am Anfang der Handelskette Abnahmegarantien und Vorfinanzierungen und ermöglicht ihnen einen direkten Zugang zum Weltmarkt. Es gibt Biozuschläge und Prämien, die man solidarisch in Programme für Gesundheit, Bildung, Gewaltprävention, Mobilität und Vorsorge für Krankheit und Alter investieren kann.

 

Ein zentrales Ziel des Fairen Handels besteht darin, gesellschaftliche Strukturen zu ändern, damit Frauen ihr volles Potential ausschöpfen können. Dass dies funktioniert, zeigt eine Untersuchung der World Fair Trade Organization, wonach Frauen in Fair-Handels-Organisationen doppelt so häufig in Führungspositionen vertreten sind wie in konventionellen Unternehmen.

 

Frauensolidarität über Grenzen

 

Der Verkauf fairer Waren in Europa wird ebenfalls zum großen Teil von Frauen erledigt, vielfach wie in den meisten 900 Weltläden rein ehrenamtlich. Auch das Team des Weltladen Remagen-Sinzig besteht fast ausschließlich aus Frauen. Sie alle wissen: Jeder Einkauf von fair produzierten Waren ist praktische Hilfe für mehr Gleichstellung der Frauen und gelebte Solidarität.

 

Kartoffelchips (Bild: Weltpartner)Höhere Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung – Kartoffel Chips aus Peru

Dass für Produzent*innen nicht immer der höhere Preis im Fokus steht, zeigt das Beispiel der Kooperative Agropia in Peru. Den Kleinbäuer*innen, die rund 400 traditionelle Kartoffelsorten anbauen, hat es vor allem die durch den Fairen Handel festgelegte Stabilität der Preise sowie die Abnahmegarantie ermöglicht, eine eigene Weiterverarbeitungsanlage aufzubauen. Durch die eigenständige Herstellung von Kartoffelchips haben sich von Rohstoffproduzenten zu Exporteuren eines Fertigproduktes entwickelt. Und auch sonst tut sich einiges in den kleinen indigenen Gemeinden im Hochland. Eine entscheidende Verbesserung ist die Unterstützung der Frauen. Die Frauen nehmen nicht nur am Geschäft teil, sondern werden weniger diskriminiert und übernehmen immer häufiger auch Führungspositionen in der Kooperative. Für die Produzent*innen sind „papas nativas“ nicht bloß Lebensmittel, sondern zugleich Erbe ihrer jahrtausendealten Kultur. Viele gute Gründe zu den roten und blauen exotischen Kartoffelchips zu greifen!

Flower PowerFlower Power – Sag es mit fairen Rosen“

Bald ist Frühlingsanfang und damit startet auch die Blumensaison. Der Weltfrauentag am 8. März ist einer der Anlässe, zu dem besonders gerne Rosen verschenkt werden. Die hohe Nachfrage kann jedoch nicht annähernd mit Blumen aus regionalem Anbau gedeckt werden. Die Rosen stammen von zertifizierten Blumenfarmen aus Äthiopien, Kenia,  wo Fairtrade-Standards die Bildung und finanzielle Unabhängigkeit von Frauen fördern und die gleichberechtigte Teilhabe an Prozessen und Entscheidungen ermöglichen. Dazu gehören feste Arbeitsverträge, Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit, Mutterschutz und klare Arbeitszeitregelungen, Schutzkleidung und Trainings zum sicheren Umgang mit Chemikalien. Für die Farmen gelten außerdem strenge Umweltkriterien.

Die Fairtrade-Prämie, die der Importeur zusätzlich zum Exportpreis bezahlt und die zehn Prozent dieses Preises beträgt, kommt direkt den Beschäftigten zugute. Das von der Belegschaft gewählte Fairtrade-Prämienkomitee entscheidet über die Nutzung des Geldes.

Gestrichene Flüge, geschlossene Läden, Verkaufsverbote in wichtigen Märkten: Viele Blumenfarmen in Afrika wurden 2020 durch die Pandemie massiv getroffen. Verkäufe brachen weg, hunderttausende Blumen wurden täglich weggeworfen. Beschäftigte mussten in Kurzarbeit oder verloren ihre Jobs – ohne staatliche Absicherung. Auf Fairtrade-zertifizierten Farmen nutzten Beschäftigte die Fairtrade-Prämie, den finanziellen Aufschlag für den Verkauf fairer Rosen, um finanzielle Einbußen zu kompensieren. Bis Oktober flossen gut 500.000 Euro Prämien an Beschäftigte – als Barauszahlung, Lebensmittelpakete oder -gutscheine. Finanzielle Unterstützung in Höhe von 200.000 Euro, beispielsweise für Desinfektionsmittel, Masken und Informationsmaßnahmen, bekamen Blumenfarmen durch einen von Fairtrade etablierten Corona-Hilfsfonds.

Ruanda-PartnerschaftskaffeeFrauen aus Ruanda erobern den Kaffeemarkt

Ruanda ist ein Land, das eine besondere Rolle bei der Stärkung von Frauen innehat. Dies zeigt auch die Gruppe „Ejoheza“ der Kooperative KOPAKAMA. Ejoheza bedeutet „gute Zukunft“ und vereint Frauen, die Witwen oder Hinterbliebene des Genozids sind. Die Idee der Gruppe ist nicht nur, Frauen zu stärken, sondern sie auch zu vereinen. Die Frauen bewirtschaften gemeinsam 1,5 ha Land  und dazu hat jede Frau ihren eigenen Kaffeegarten. Das Einkommen und ein internes Kredit- und Sparsystem stützt sie in ihrer sozioökonomischen Entwicklung und ermöglicht ihnen konkrete Ziele zu verfolgen. Hinzukommt, dass durch die gemeinsame Arbeit Freundschaften und Frieden geschlossen wurde. Sowohl in Ruanda selbst als auch unter internationalen Wissenschaftlern ist man der Meinung, dass die Frauen das Land befriedeten. Eine UNO-Studie stellt fest: „Sie konnten besser vergeben.“

„Die Förderung von Frauen ist sehr wichtig, um ihnen die gleichen Chancen wie Männern zu geben. In einigen Ländern Afrikas, lag die Entscheidung über Aufgabenteilung ganz bei dem Mann – so war es auch hier auf den Kaffeeplantagen, die als Eigentum der Männer galten. Nach dem Genozid in Ruanda, nachdem viele Frauen verwitwet oder alleine waren, weil ihre Männer inhaftiert wurden, wurden viele Plantagen aufgegeben. Diese wurden aber ermutigt, selbst die Initiative zu ergreifen und sich den neuen Möglichkeiten bewusst zu werden.“, erklärt Marthe. Sie selbst ist seit 2010 Mitglied bei Kopakama und ist seit 2017 Vorstandsvorsitzende. Dabei ist es ihr besonders wichtig als Vertreterin der Kooperative und zugunsten der Mitglieder zu agieren. Etwa ein Drittel der Kooperativenmitglieder sind Frauen., die sich als „Motor der Vereinigung“ bezeichnen.  Vor dem Erlass des neuen Erbschaftsrechts im Jahr 2000, durften Frauen in Ruanda keinen eigenen Kaffeegarten besitzen. Heute haben viele Frauen ein eigenes Stück Land mit Kaffeepflanzen, das sie bewirtschaften können.

Rheinland-Pfalz ist das Partnerland von Ruanda. In unserem Weltladen finden Sie den Ruanda Partnerschafts-Kaffee und unterstützen mit dem Kauf die starken Frauen in Ruanda.

 

Bild zur Meldung: Frauen in Peru auf Kartoffelfeld (Bild: Weltpartner)