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3 Fragen an die 3 Direktkandidatinnen für den Landtag

26. 02. 2021

Anlässlich des Frauentags und des 40jährigen Bestehens des Weltladens Remagen-Sinzig, haben wir den drei Direktkandidatinnen, die in unserem Wahlkreis für ihre Partei in den Mainzer Landtag einziehen möchten, drei Fragen zum Thema Fairer Handel und Stärkung der Gleichstellung von Frauen weltweit gestellt.

 

Frage 1

Es sind vor allem Frauen, die weltweit vom Fairen Handel profitieren. Und es sind vor allem Frauen, die sich in Weltläden ehrenamtlich engagieren, auch hier bei uns. Wie kann die Politik hier unterstützen, damit der faire Handel stärker ins Bewusstsein rückt und mehr Frauen in aller Welt mit ihrer Arbeit ihr Auskommen sichern können?

 

Stefani Jürries (Die GRÜNEN):

In der Tat ist gerade in diesem Bereich besonders deutlich, dass den Frauen eine entscheidende Rolle bei einer Transformation der Wirtschaft zukommt. Der 8. März ist hier jedes Jahr ein wichtiges Datum, um an die sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern, aber eben auch von Frauen weltweit oder sogar von Frauen in einer Gemeinde/ Stadt zu erinnern. Es gibt hier noch viel zu tun, und die rechtliche Gleichstellung von verschiedenen Lebens- und Familienentwürfen ist ein wichtiger Anfang. Frauen im Ehrenamt müssen stärker sichtbar gemacht werden, generell muss das Ehrenamt stärker als bisher gefördert werden. Die wichtigen Impulse, die sich häufig aus dem ehrenamtlichen Engagement heraus ergeben, müssen gesellschaftlich aufgegriffen und teilweise auch institutionalisiert werden. Hier ist politische Bildung und die Einbeziehung der Verbraucher*innen ein wichtiges Element, aber auch die frühzeitige Sensibilisierung gerade der Kinder und Jugendlichen für diese Themen, die uns alle angehen.

 

Susanne Müller (SPD):

Wir benötigen hier eine stringente Transparenz und eine Einhaltung der Gesetze, die seitens der Politik eingefordert werden muss. Generell muss hier auch auf Seiten der mit Gleichstellung beauftragten FraktionssprecherInnen in der Regierung versucht werden, das Thema in der Öffentlichkeit zu positionieren. Dennoch ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig, damit z. B. auch die  öffentliche Hand ihre Möglichkeiten bei der Beschaffung fair gehandelter Waren ausschöpft und ihre Vorbildfunktion wahrnimmt und die Wichtigkeit dieses Handels auch der Öffentlichkeit transparent macht.

 

Petra Schneider (CDU):

Es ist sehr wichtig, dass immer mehr Frauen die Möglichkeit bekommen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.Mein Anspruch an die Politik ist der einer ausgeglichen Besetzung von Frauen und Männern. Die Entwicklung, die unser Land in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, ist beachtlich. Doch es gibt immer noch Barrieren, die Frauen im Berufsleben und im Familienleben entgegenstehen. Ich will mich als weibliche Kandidatin dafür einsetzen, dass diese Barrieren weiter abgebaut werden und alle Geschlechter die gleichen Chancen in allen Lebensbereichen bekommen. Als überzeugte Demokratin und Mitglied in der Frauen Union ist es mir besonders wichtig Frauenrechte selbstbewusst zu vertreten und weiterzuentwickeln. Dazu zählt insbesondere eine gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Ich glaube jedoch,  dass Quoten nicht zwingend das Mittel der ersten Wahl sein müssen.

 

Frage 2

Wie stehen Sie zum Fairen Handel und zu einem verbindlichen Lieferkettengesetz? Wie würden Sie sich im Landtag für die Umsetzung gerechter Handelsstrukturen einsetzen?

 

Stefani Jürries (DIe GRÜNEN):

Die GRÜNEN stehen bundespolitisch, aber auch landespolitisch ganz  klar zu einem verbindlichen Lieferkettengesetz. Auch sehe ich beispielsweise die Beschaffungsstellen in Rheinland-Pfalz ganz klar als möglichen Motor für einen Wandel an dieser Stelle. Wir setzen uns deshalb in unserem Wahlprogramm für eine gesetzliche Regelung ein, die alle öffentlichen Beschaffungstellen in RLP verpflichtet, ökologische und soziale Kriterien und die Menschenrechte zu berücksichtigen. Als große Auftraggeberin hat das Land RLP eine enorme Marktmacht und Vorbildrolle bei der Auftragsvergabe, die man an dieser Stelle in die Waagschale werfen muss. Zusätzlich möchte ich hier den Aspekt des nachhaltigen und verantwortlichen Wirtschaftens anbringen, der auch die Verbraucher*innen klar einbezieht: Repair-Cafes oder neue nachhaltige Geschäftsmodelle aus dem Bereich der Share Economy, die zur Senkung des Verbrauchs von Rohstoffen,

Materialien und Energie beitragen können, weisen in die richtige

Richtung.

 

Susanne Müller (SPD):

Ich halte ein verbindliches Lieferkettengesetz für außerordentlich sinnvoll. Unternehmen müssen verpflichtet werden, z. B. Auflagen für Menschenrechte und Umweltschutz bei Zulieferern im Ausland einzuhalten. Nur dann wenn wir Menschenrechte schützen, Kinderarbeit reduzieren, Arbeits- und Umweltauflagen einhalten,  können wir faire Löhne sichern und damit einen Beitrag dazu leisten, dass sich dieses Erfolgsmodell des fairen Handels erfolgreich etabliert und sich ausbaut.

Da dies inzwischen ein Bundesgesetz ist, könnte man für Rheinland-Pfalz überlegen, hier noch einmal in der Fraktion einen Arbeitsschwerpunkt zu bilden, Fraktionsmitglieder damit zu beauftragen und diese Arbeit auch im Bund zu vertreten.

 

Petra Schneider (CDU):

Fairer Handel von Waren wird in Zukunft immer wichtiger werden. Angesichts der positiven Entwicklungen und der Bestrebungen vieler Unternehmen die eigenen Lieferketten transparent zu gestalten sind wir auf einem guten Weg. Die Konsumenten sind hierbei ein wichtiger Einflussfaktor. Denn wenn alle mehr darauf achten, wo die
Waren produziert werden, können wir gemeinsam große Erfolge verzeichnen. Wir brauche ein Sorgfaltspflichtengesetz, das hinsichtlich der Beachtung der Menschenrechte in den Handelsbeziehungen wirksam ist, aber auch für die Wirtschaft umsetzbar. Gerade auch entwicklungspolitisch ist es geboten,
verantwortlich gestaltete Handelsbeziehungen und Investitionen nicht zu erschweren. Doch zugleich ist es wichtig, unsere Lieferketten so zu gestalten, dass die in Deutschland vertriebenen Waren nicht auf Menschenrechtsverletzungen beruhen. Darum setze ich mich für eine Politik ein, die nicht einfach die Verantwortung auf die Händler abwälzt, sondern sich Gedanken macht, wie man Anreize für Unternehmen schaffen kann. Ich bin für einen aktiveren Austausch zwischen Politiker*innen und Unternehmen, um nachhaltige Lösungen zu finden.
Ich bin für ökonomisch sinnvolle und realisierbare Lösungen. Denn mein Anspruch an eine ehrliche Politik endet nicht an Staatsgrenzen.

 

Frage 3

Achten Sie persönlich beim Einkauf auf fair produzierte Waren? Wo kaufen Sie diese ein?

 

Stefani Jürries (Die GRÜNEN):

Selbstverständlich achte ich auch persönlich beim Einkaufen darauf, möglichst fair produzierte und gehandelte, aber auch regionale und ökologische Lebensmittel und sonstige Waren einzukaufen. Ich finde es gerade als Mutter von zwei Kindern (9 und 10,5 Jahre) sehr wichtig, dies auch immer wieder im Alltag zu thematisieren. Schokolade und Kakao sind ja durchaus Produkte, die Kinder interessieren. Wir sind als Familie Mitglied bei Solawi und kaufen gern bei den verschiedenen Bio- und Unverpacktläden vor Ort sowie durch mein berufliches Pendeln nach Bonn auch dort in den Bioläden ein. Aber auch in unseren Supermärkten kann man ein klares Signal setzen und die dort verfügbaren fairen und ökologischen Produkte kaufen. Kleine Geschenke kaufe ich gern im EINE-WELT-Laden oder achte in den Geschäften in der Region auf die fair gehandelten Produkte.

 

Susanne Müller (SPD):

Ich kaufe gern fair produzierte Waren, allerdings ist dies ja auch nur für bestimmte Warengruppen möglich. In der Regel kaufe ich diese gern im Supermarkt ein, der diese „ faire Handelsecke“ momentan stetig ausbaut. Ansonsten kaufe ich dies auch gern im Reformhaus oder im Eine-Welt-Laden, wenn ich vor Ort bin. 

 

Petra Schneider (CDU):

Ich und meine Familie legen Wert darauf, regional und saisonal einzukaufen. Ich bin der Überzeugung, dass dies nicht nur das Klima schützt, sondern ebenso die kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort unterstützt. Gerade bei regionalen Produkten ist die Nachverfolgung wesentlich einfacher als bei importierten Produkten. Leider ist es nicht bei allen Waren möglich, diesem Anspruch gerecht zu werden.
Ich finde es daher sehr gut, dass man mittlerweile faire Produkte auch in Supermärkten und Discountern kaufen kann. Man muss dafür nicht mehr in die nächste Großstadt, um einen spezialisierten Fachhändler aufzusuchen. Mein Ziel ist es, fair gehandelte Produkte nicht nur den Menschen zu ermöglichen, die es sich leisten können,
sondern allen. Denn fair gehandelte Produkte sollten der Standard in unseren Supermärkten und Discountern werden.

 

Bild zur Meldung: 3 Fragen an die 3 Direktkandidatinnen für den Landtag