EWL im alten Gemeindehaus

 

1981 - 2014

 

Ein kleiner Raum - aber für die ganze Welt

 

  

Beiträge von Mitgliedern und Mitwirkenden zum 35jährigen Bestehen des  „Eine-Welt-Ladens Remagen-Sinzig 
 (EWL)“

  

 

 

 

35 Jahre Eine Welt Laden Remagen-Sinzig (EWL) und Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter

(Lukas-Evang. 10, 25-37)

 

Elke und Dr. Udo Grub

 

Jesus erzählt dieses weltberühmt gewordene und bis in unsere Zeit hinein aktuelle Gleichnis. Der EWL gibt mit seiner Arbeit ein Beispiel für die in dem Gleichnis behandelte Frage: „Wer ist denn mein Nächster?“ 

Die Antwort Jesu lautet: mein Nächster ist der unter die Räuber Gefallene, Zusammengeschlagene,  Ausgeplünderte, in lebensbedrohliche Not geratene Mitmensch.

Der EWL hat in den 35 Jahren seines Bestehens mit seiner Arbeit und seinen vielfältigen Aktivtäten immer wieder gezeigt: Die heute in Not Geratenen sind die Opfer eines unmenschlichen Wirtschaftssystems. „Diese Wirtschaft tötet“, - so formuliert es Papst Franziskus I. unmissverständlich in seiner Schrift „Evangelii Gaudium“ (= „die Freude des Evangeliums“). Und ähnlich scharf Heiner Geißler in seinem Buch „Was würde Jesus heute sagen“: „Die kapitalistische Wirtschaftsordnung widerspricht dem Evangelium und ist ein Verbrechen an Milliarden von Menschen, die in Armut, Krankheit und Unwissenheit leben müssen.“

Der EWL hat mit seinem Engagement für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit die globalen Zusammenhänge der ökonomischen Ausbeutung von Mensch und Natur und die Ursachen für Armut, Not und Elend deutlich gemacht. Die Option für die Armen, Chancenlosen war und ist das Hauptanliegen des EWL.

 

Von dieser Motivation war die Mitarbeitergruppe der ersten Stunde getragen: Ilse Thehos, Friedemann Thehos, Volker Thehos, Stephan Thehos, Gisela Unkelbach, Werner Räthlein, Brigitte Karpstein, Klaus Karpstein, Christa Schnapp, Paul Schnapp,  Elke Grub  und Udo Grub - sowie alle in der Folgezeit hinzu gekommenen Ehrenamtlichen.

Auch  das Presbyterium  der Evangelischen Kirchengemeinde Remagen-Sinzig ließ sich von diesem Leitgedanken überzeugen,  übernahm die Trägerschaft für den EWL und stellte ihm die Räume im alten Evang. Gemeindehaus und jetzt auch im neuen Gemeindehaus unentgeltlich zur Verfügung.

Von der ersten Zusammenkunft an verstand sich der Arbeitskreis als Ökumenischer AK „Dritte Welt Laden Remagen-Sinzig.

Die gemeinsame biblisch-theologische Motivation ermöglichte auch der Katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul und den Franziskanern im Apollinariskloster, mit dem EWL zu kooperieren.

  

So entstand mit den Franziskanern ein theologischer Arbeitskreis, der sich intensiv mit der Person, dem Leben und Wirken des Franz von Assisi und seiner Abkehr vom Reichtum seiner Familie, seiner programmatischen Hinwendung zum  Evangelium für die Armen und einer Kirche für die Armen beschäftigte. Die „befreiungstheologisch-missionarischen Studienbriefe“ wurden unter Anleitung von Bruder Horst ofm und Bruder Simon ofm abwechselnd im Evangelischen Pfarrhaus Remagen und im Franziskanerkloster gelesen und besprochen.

Für diese Programmatik  sei ein Wochenendseminar erwähnt: „Leben im Geist des Franziskus 1994  - für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung:  Franziskus   -  Anbruch der zärtlichen Fürsorge und des lebensgerechten Miteinanders“  auf der Spur des Jesus von Nazareth  -  veranstaltet von der Katholischen und  Evangelischen Kirchengemeinde Remagen, der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde St.Jakobus, dem Ökumenischen Netz Mittelrhein und den franziskanischen Orden und Gemeinschaften. An dem Wochenende nahmen 130 Menschen aus Remagen-Sinzig und der Region teil.

 

 

Von der gleichen Trägergruppe wurde im März 2006 ein weiteres Wochenendseminar durchgeführt zu dem Wort  Jesu:  “Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ (Matthäus-Evang.  6,24) . 

Im November 2001 traf sich das EWL-Team im Evangelischen Gemeindehaus zum Thema „Globalisierung - Fluch oder Segen?“ - „Auswirkungen politischer Gewalt“ und lud ein zum Musical „Hotel Justice“, das die Berliner Compagnie in der Friedenskirche aufführte.

Alle diese Initiativen ergaben sich aus der intensiven Zusammenarbeit mit Pfarrer Klaus Birtel und seinem Nachfolger Pfarrer Dr. Meyer. Als Pfarrer Birtel 1998 sein Pfarramt in Remagen beendete und neben seiner Gemeindearbeit in Manila / Philippinen  dort  ein Projekt für Straßenkinder betreute, unterstützte der EWL dieses Projekt mit großzügigen Spenden.

Schon zuvor waren die Philippinen in den Focus des EWL geraten durch die Partnerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz mit dem Evangelischem Kirchenkreis Agusan auf der philippinischen Insel Mindanao. Diese Partnerschaft wurde von dem EWL tatkräftig unterstützt, wie auch die Aktionsgruppe „Frauen im weltweiten Dialog“ mit Elke Grub  in Kooperation mit Schwester Lea Ackermann/Boppard und der von ihr geleiteten Aktion „Solwodi“  =  Solidarity with women in distress.

In den 90ziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu einer ersten Flüchtlingswelle in die Bundesrepublik. In dieser Zeit kam Michel Sanya als Flüchtling aus dem Kongo in unsere Gemeinde und gewann schnell viele Herzen und Sympathien durch seine überragende Musikalität: Er sang und musizierte faszinierend auf afrikanischen Trommeln.

        Das führte dazu, dass der EWL eine ganze Zeit lang ein vielfältiges Sortiment afrikanischer Trommeln im Laden zum Verkauf anbot. Zum 20-jährigen Jubiläum des EWL  im Oktober 2001 wurde Michel Sanya für einen „Trommel-Workshop“ engagiert, an dem viele Gemeindeglieder teilnahmen. Auch sang er zum Rhythmus der Trommeln eindrücklich und bewegend im ökumenischen Jubiläums-Festgottesdienst  - einem von vielen ökumenischen Gottesdiensten.

Hier konnten wir wirklich feststellen: Integration kann gelingen und ist in diesem Beispiel gut gelungen.

Im März 2002 wurde das EWL-Team im Rathaus Remagen von Bürgermeister Lorenz Denn  für 20 Jahre ehrenamtliches Engagement zugunsten von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ausgezeichnet.

Am 07. Juni 2005 besuchte der Superintendent des Evangelischen. Kirchenkreises Koblenz, Pfarrer. Dr. Markus Dröge, den EWL und würdigte die Arbeit des Teams und die ökumenischen Gottesdienste in Remagen als Zeichen der Gemeinschaft.

Vier Wochen später hatte der EWL Besuch von einer Selbsthilfeorganisation aus dem Niger, vermittelt durch den Internationalen Christlichen Friedensdienst „Eirene“/ Neuwied.

Als im Januar 2010 ein schweres Erdbeben Haiti heimsucht, förderte  der EWL ein Projekt, das dem Wiederaufbau zweier Kinderheime und einer Schule in der Region Lamardelle/Haiti diente, über mehrere Jahre. In einer ökumenischen Vorabendmesse  in St. Peter und Paul mit dem Thema „Ein Senfkorn Hoffnung“ und einem anschließenden Informationsabend  machte der EWL das Projekt mit anschaulichen.